Lizzy Hollatko

Der Sandengel


Printcover
(rechte Maustaste - Ziel speichern)

Inhalt

Südafrika, Anfang der 1980er-Jahre: Rut und ihre drei Schwestern Liv, Fee und Emma leben mit ihrer Mutter Alva in einer Siedlung am Rand einer großen Stadt. Der Vater ist vor einigen Jahren ums Leben gekommen, die Mutter ist Malerin und schafft es seither nur knapp, die Familie mit ihren Einkünften über Wasser zu halten. Aufgrund ihrer Lebenssituation haben sie mit vielen Schwarzen mehr gemeinsam als mit der weißen Oberschicht. Trotzdem stehen sie – nur wegen ihrer Hautfarbe – gesellschaftlich über den Schwarzen. Dieses Menschenbild will Alva, die in Europa aufgewachsen ist, ihren Kindern nicht vermitteln. Aber wer sich in Südafrika zur Zeit der Apartheid mit Schwarzen solidarisiert, stößt schnell an die Grenzen der Toleranz.

Auszeichnungen

Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2014
Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2015

Pressestimmen

„Da werden Solidarität und Toleranz als Respekt und herzliche Verlässlichkeit fassbar, in einer Selbstverständlichkeit und einer Wärme, die berühren – unspektakulär, aber mit unglaublichem Nachhall."
Hans ten Doornkaat, NZZ am Sonntag

"…wunderbar poetischer Kinderroman…"
Karin Haller, Die Furche

„atmosphärisch dicht“
Bundeskanzleramt Österreich, Annotation zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2015

"…einfühlsam und jugendgemäß erzählt."
Friedemann Kluge, neues deutschland

"Das Buch schärft den Gerechtigkeitssinn"
Volker Dettmar, Evangelischer Buchberater

"Ein poetischer Kinderroman über die Liebe zwischen Geschwistern, über fantasievolles Spielen und Solidarität."
Maria Veraguth, quergelesen

"Einfühlsam."
Barbara Mader, Kurier

"ein klug gebauter Text, der anschaulich vom Lebensalltag von schwarzer und weißer Bevölkerung zur Zeit der Apartheid erzählt."
Kathrin Wexberg, 1000 und 1 Buch

„Nur selten ist eine so ergreifende Geschichte entstanden, die dem Genre wirklich gerecht wird.“
Roger Meyer, Buch & Maus

„Behutsam und sehr poetisch setzt die in Südafrika geborene Autorin mit diesem Buch ein Zeichen für Respekt und Toleranz.“
Andrea Wedan, Buchkultur

"ein sehr persönlicher, authentischer Blick auf Südafrika in den 80ern"
Veronika Mayer-Miedl, Grünschnabel

„Ein gutes Buch!“
Maren Partzsch, Eselsohr

„ansprechend … viel Lokalkolorit und Atmosphäre.“
Cornelia Gstöttinger, bn.bibliotheksnachrichten

"eine sanfte Geschichtsstunde, die lange nachhallt."
Judith Burger, kreuzer

„obwohl es an ernsten Themen nicht mangelt, rettet die Autorin das Gefühl der Krachmacherstraße mit kindlicher Lebensfreude und Fantasie.“
PotsKids!

Leseprobe

Auf dem Heimweg fragte Emma dann, ob wir Ausländer seien. Liv antwortete, in Südafrika seien alle Weißen irgendwie Ausländer.
Ich wusste, was Liv meinte. Ich kannte aus dem Geschichtsunterricht sogar das genaue Datum: Am 6. April 1652 wurde die erste europäische Siedlung in Südafrika gegründet; ihre Gründer waren Holländer, allen voran Jan van Riebeeck. Später folgten die Engländer. Und als man Gold und Diamanten entdeckte, kamen Menschen von überall aus Europa angereist.
Ob sie und Papa auch wegen des Goldes und der Diamanten gekommen wären, fragten wir Alva. Sie lachte, und wir warteten ihre Antwort ab, als hörten wir sie zum ersten Mal: „Es war Papas Lebenstraum, in Südafrika zu leben und zu fotografieren.“
Unser Vater war Landschaftsfotograf. Als ich vier Jahre alt war, kam er bei einem Autounfall ums Leben. Ich habe nicht viele Erinnerungen an ihn. Aber Liv schon, und manchmal weinte sie beim Einschlafen. Dann sagte sie, sie würde ihn vermissen. Und Emma weinte mit ihr und sagte, sie wäre noch ein Baby gewesen, als Papa starb. Fee sagte leise, er würde ihr nicht fehlen. Er wäre für sie wie jemand, den sie gar nicht kenne. Da stand ich auf und tastete im Dunkeln nach seinem Foto, das über dem Klavier hing.
Liv leuchtete mit der Taschenlampe und wir sahen Papa – in einer Safari-Hose mit seinem Fotoapparat. Wir drehten das Foto um und lasen: Letztes Foto von Papa, Kruger Nationalpark 1974.
Seitdem sind wir mit Alva oft umgezogen. Immer suchte sie nach einem Haus mit einer noch günstigeren Miete. Sie sagte, wir sollten uns keine Sorgen machen, schließlich sei sie Künstlerin; Künstlerinnen hätten zwar nie viel Geld, würden aber immer überleben. Eines Tages kam uns das zugute. Denn nicht jeder konnte in der Bloekomstraße wohnen. Um eines der siebzehn Backsteinhäuser zu mieten, musste man nämlich arm sein.