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Die Katze der seltsamen Kinder
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Petra Soukupová

Die Katze der seltsamen Kinder 

Illustriert von Nikola Logosová, Übersetzt von Helena Novak


ab 9 Jahren

ISBN: 978-3-7026-6035-2
Umfang: 272 Seiten
Einband: gebunden
Format: 21,3 x 14,3 cm

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Mila, Peter, Luisa und Elias verbringen zusammen eine Ferienwoche, und eine streunende Katze hat es ihnen angetan. Auf der Suche nach der Besitzerin geraten sie jedoch an störrische und engstirnige Dorfbewohner, die ihnen das Leben schwer machen wollen. Und obwohl ihre Eltern klare Vorstellungen dessen haben, was richtig und was falsch ist, wissen die Kinder: Manchmal muss man selber denken, seine ganz eigenen Entscheidungen treffen und sich abgrenzen. Wenn man dann noch zusammenhält, wird jeder Strudel an Ereignissen gemeinsam gemeistert.

  • Gefühle
  • Freundschaft

  • Gesellschaft und Soziales
  • Selbstständigkeit
  • Anderssein

  • Vielfalt
  • Abenteuer
  • Beschreibung
  • Leseprobe

Inhalt

Mila, Peter, Luisa und Elias verbringen zusammen eine Ferienwoche, und eine streunende Katze hat es ihnen angetan. Auf der Suche nach der Besitzerin geraten sie jedoch an störrische und engstirnige Dorfbewohner, die ihnen das Leben schwer machen wollen. Und obwohl ihre Eltern klare Vorstellungen dessen haben, was richtig und was falsch ist, wissen die Kinder: Manchmal muss man selber denken, seine ganz eigenen Entscheidungen treffen und sich abgrenzen. Wenn man dann noch zusammenhält, wird jeder Strudel an Ereignissen gemeinsam gemeistert.

WIR DREI

MILA Die letzte Ferienwoche ist immer irgendwie traurig, weil die Schule rückt näher und der Herbst liegt schon in der Luft und alles Schöne geht zu Ende und abends muss man dann schon einen Pullover anziehen, aber dieses Jahr freue ich mich auf diese Woche vielleicht sogar am meisten. Nicht, dass die Ferien sonst irgendwie schlecht gewesen wären, überhaupt nicht, sie waren super, wir waren am Meer, bei Oma und auch viel zu Hause, aber für diese letzte Woche haben sich meine Eltern ausgedacht, dass wir in ein Ferienhaus fahren, das wir gemietet haben, und dass auch Katka, Peter und Franta mitkommen dürfen.
Also gleich, als sie es gesagt haben, habe ich gewusst, dass Franta nicht mitkommen wird, weil wir sind mit Franta nicht mehr so eng befreundet, eigentlich fast gar nicht mehr, aber das können meine Eltern ja nicht wissen.
Als wir letzten Herbst nach Hause zurückkamen, da haben uns unsere Eltern zwar irgendwelche Strafen aufgebrummt und wir haben uns alle ein paar Wochen nicht sehen dürfen, aber danach konnten wir uns wieder ganz normal treffen, nur dass es draußen inzwischen eklig kalt geworden war, mir macht das nichts, aber Franta meinte, dass ihm im Winter die Beine immer wehtun würden und dass es noch schlimmer geworden ist, seitdem er damals bei unserem Abenteuer draußen in der Hütte geschlafen hat und dass er zu Hause bleiben muss. In Wirklichkeit wollte er aber nur daheim hocken und Computerspiele spielen, und er wollte, dass ich daneben sitze und ihm zuschaue, wie er spielt oder dass wir zusammen irgendwelche Videos schauen, aber das langweilt mich total.
Also war ich immer weniger bei ihm und irgendwann gar nicht mehr und am Ende blieben nur wir drei befreundet – Katka, Peter und ich, und unsere Eltern haben sich weiterhin miteinander unterhalten, was mir persönlich egal war, aber Peter und Katka störte es, keine Ahnung wieso. Und als meine Eltern vor dem Ferienbeginn damit daherkamen, dass wir in der letzten Ferienwoche aufs Land in irgendein Landhaus fahren und dass die anderen mit uns fahren dürfen, dachte ich mir, sie würden bestimmt keine Lust haben, aber Peter meinte gleich, er würde gern mitkommen, und Katka schließlich auch.
Wir drei haben uns total darauf gefreut und bald ist es endlich soweit, schon übermorgen fahren wir weg und heute hat mir meine Mama ein paar Fotos von dem Landhaus gezeigt, als ob es mich interessieren würde, wie irgendein Landhaus aussieht, aber es waren auch einige Fotos von der Umgebung dabei und es gibt in dem Dorf ein kleines Schwimmbad, also eigentlich nur ein Betonbecken, nicht besonders schön, aber immerhin, und das Haus selbst steht am Waldrand. Ich kann mir echt gut vorstellen, wie wir ins Freibad gehen und wie wir uns ein Eis am Kiosk holen und wie wir dort auf der Wiese liegen und in den Himmel schauen oder schwimmen gehen. Im Sommer, an so einem Tag wie heute, wenn die Sonne scheint und alles strahlt, können wir uns sogar zum Spaß vorstellen, dass in dem Becken eine Riesenqualle wohnt, einfach so, weil’s witzig ist, wenn wir über das Schwimmbad reden.
„Mila, aber ihr dürft da nicht allein hingehen, ist das klar?“, sagt Mama.
„Aha.“
Ich hab so das Gefühl, dass das Peter und Katka nerven wird, mir ist es egal, ich kann doch schon schwimmen und bin kein kleines Kind mehr, ich bin nämlich schon elf, also warum muss Mama die ganze Zeit bei uns sein? Aber ich sag dazu lieber nichts, weil Mama seit der Sache im Herbst, als wir von zu Hause ausgebüxt sind, sowieso ein bisschen gestresst ist.
„Hm, super“, sagt Katka, „also wenn deine Mama uns die ganze Zeit überwachen will, dann fahre ich gar nicht mit.“ Aber meine Mama hat dann sowieso immer etwas anderes zu tun und ich bin am Ende allein, so war das auch, als wir am Meer waren, dort musste sie genauso arbeiten und Papa hat aufgepasst. Also, er hat eigentlich die ganze Zeit nur gelesen. Auf mich muss niemand aufpassen, wenn ich nur dasitze und in die Wellen schaue.
„Dich stört das nicht?“ Katka dreht sich zu Peter.
„Ein bisschen schon“, sagt Peter.

KATKA Auf dieses Landhaus habe ich eigentlich keine Lust, aber das ist kompliziert und ich will’s nicht erklären. Ich hasse den Sommer sowieso, alle tragen kurze Röcke, Shorts oder Kleider und ich würde in all dem total schrecklich aussehen, deshalb muss ich lange Leggings und T-Shirts oder Kleider anziehen, in denen ich dann dauernd schwitze, und trotzdem sehe ich blöd aus. Ich wollte über die Sommerferien abnehmen, aber es ist mir nicht besonders gut gelungen, eigentlich gar nicht, ach, was soll’s, dann werde ich es eben ab dem ersten September wieder angehen, aber diesmal wirklich und bis zur Weihnachtsfeier der Neuntklässler, die in der Schule stattfindet, bin ich schlank und hübsch, das Kleid dafür hab ich schon im Kopf.
Also, es gibt noch einen anderen Grund, warum ich nicht aufs Land mitkommen wollte. Es ist so, dass wir uns über die Sommerferien kaum gesehen haben und ich dachte, dass wir nicht mehr so gut befreundet sind, einfach deshalb, weil Mila und Peter eben zu klein sind und wenn ich abnehme und ganz normal aussehe, will ich sowieso keine kleinen Kinder mehr als Freunde haben, ich werde dann normal sein (und in der Schule nicht mehr lesen), aber ich hab noch immer nicht abgenommen und mit Mila und Peter macht es immer noch Spaß. Also wird’s wohl doch noch gut werden – solange keiner von außen dazwischenfunkt. Franta fällt mir gar nicht mehr ein, der ist schon lange nicht mehr mit uns und wir drei sind super auch ohne Franta.
Eigentlich sollte ich kein Eis essen, vor allem nach dem Schokomüsli heute Morgen, und ich hab mir sogar noch einen Nachschlag geholt und das waren schon echt viel Zucker und Fette, aber andererseits gibt es auf dem Hauptplatz eine neue Eisdiele, und die verkaufen dort auch Mango-Sorbet, das schmeckt echt himmlisch und weil es ein Sorbet ist, ist es fettfrei. Und ins Freibad gehe ich auf keinen Fall. Auch wenn Peter und Mila meine Freunde sind, möchte ich nicht, dass sie mich im Badeanzug sehen und mit dem Abnehmen fang ich gleich danach an.
Also los.
Wir drei sind die besten und niemand sonst gehört dazu.


DAS GLÖCKCHEN

ELIAS Also ich finde nicht, dass ich irgendwie besonders seltsam bin. Vielleicht kann ich mich nicht sehr lange auf eine Sache konzentrieren, wenn sie mir keinen Spaß macht, aber wenn sie mir Spaß macht, dann kann ich das sogar richtig gut, und das ist doch wichtig. Wenn ich erwachsen bin, werde ich eine Arbeit haben, die mir Spaß macht, und werde keine Diktate schreiben oder Wortarten bestimmen müssen oder so einen Blödsinn.
Am allerliebsten wäre ich Astronaut, aber das wird vielleicht nichts, sagte meine Mama, also Maminka, dann habe ich wenigstens vor, Pilot zu werden, das ist, denke ich, schon ziemlich normal, es gibt viele Piloten, jeden Tag starten auf der Erde mehr als hunderttausend Flugzeuge und jedes davon braucht einen eigenen Piloten.
Wenn man Pilot werden will, muss man gut Mathe können, und das kann ich gut, ich werde bald auf ein mathematisches Gymnasium wechseln. Ein bisschen habe ich Angst, weil dort viele neue Leute sein werden, aber Luisa hat mir gesagt, dass die ähnlich verrückt sein werden wie ich, ich soll mich also beruhigen und das Gymnasium ist nicht weit von unserer alten Schule entfernt und nach der Schule werden wir immer noch zusammen nach Hause gehen, also wird es ähnlich sein wie jetzt und es stimmt schon, dass wenn es im Gymnasium mehr Mathe geben wird, dann alles besser wird.
Außerdem muss ein Pilot Englisch können, das kann ich nicht so gut, und er muss auch sportlich sein, ich weiß nicht genau warum, vielleicht für Notlandungen, und sportlich bin ich auch nicht besonders, aber ich bemühe mich, und ich mag auch Spinat.
Ja, aber manchmal klappt das alles nicht, zum Beispiel als ich morgens Duolingo gemacht habe, und dann habe ich das Handy auf den Boden geworfen, so dass ich es endgültig kaputt gemacht habe. Also das Display. Es war schon vorher ein bisschen angeknackst, weil ich das Ding schon ein paar Mal auf den Boden geknallt habe, weil wenn ich wütend bin, kann ich in dem Moment überhaupt nicht klar denken. Maminka und Papa haben mir schon hundertmal gesagt, dass sie mir kein neues Handy kaufen werden, wenn ich dieses kaputt mache, aber wie soll ich jetzt Englisch lernen? Und das regt mich wieder so auf. Die Eltern benützen das Wort „aufregen“, weil ich nicht sauer bin oder so, ich bin dann nur furchtbar gestresst und muss irgendwas dagegen tun. Und am meisten hilft mir dagegen, wenn ich kurz laufe, aber das geht nicht immer, also mache ich halt Kniebeugen, aber das hilft nicht so gut, bald fangen meine Beine an wehzutun und ich bin noch immer gestresst.
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