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Kali kann kriminal
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Michael Roher

Kali kann kriminal 

Illustriert von Michael Roher


ab 8 Jahren

ISBN: 978-3-7026-6034-5
Umfang: 152 Seiten
Einband: gebunden
Format: 21,3 x 14,3 cm

Sie können unsere Bücher nun auch direkt über unseren Shop bestellen!

18,00 €

inkl. MwSt.

inkl. 10 % MwSt.

Eine Woche dürfen Lisbeth und Kali bei ihrem Vater in der Männer-WG wohnen, und dort ist fröhliches Chaos garantiert! Doch dann ist Lisbeth verunsichert: Papa ist seit Langem auf Jobsuche und hat Geldsorgen, außerdem führt er mysteriöse Gespräche, die auf illegale Machenschaften hindeuten. Für Lisbeth ist klar, dass er kein Gauner ist, aber Papa darauf anzusprechen funktioniert nicht. Nun will sie einfach sichergehen, dass hinter den Gerüchten nichts steckt, und neben ihrem Bruder Kali beteiligen sich auch ihre Freund*innen aus der betreuten Wohngruppe begeistert an den Nachforschungen. Bei einem wilden Showdown wird klar: Ihr Vater ist sehr vielseitig, aber kriminell ist er nicht, und auf Lisbeths und Kalis Freund*innen ist wie immer Verlass.

  • Familie
  • Krimi

  • Freundschaft
  • Situationskomik
  • Zusammenhalt

  • Abenteuer
  • Humor
  • Beschreibung
  • Leseprobe

Inhalt

Eine Woche dürfen Lisbeth und Kali bei ihrem Vater in der Männer-WG wohnen, und dort ist fröhliches Chaos garantiert! Doch dann ist Lisbeth verunsichert: Papa ist seit Langem auf Jobsuche und hat Geldsorgen, außerdem führt er mysteriöse Gespräche, die auf illegale Machenschaften hindeuten. Für Lisbeth ist klar, dass er kein Gauner ist, aber Papa darauf anzusprechen funktioniert nicht. Nun will sie einfach sichergehen, dass hinter den Gerüchten nichts steckt, und neben ihrem Bruder Kali beteiligen sich auch ihre Freund*innen aus der betreuten Wohngruppe begeistert an den Nachforschungen. Bei einem wilden Showdown wird klar: Ihr Vater ist sehr vielseitig, aber kriminell ist er nicht, und auf Lisbeths und Kalis Freund*innen ist wie immer Verlass.

Hallo!
Ich heiße Lisbeth. Ich bin zehn und gehe in die vierte Klasse. Ich mag Comics, Wasserrutschen und die Farbe Orange. Vor allem mein oranges Lieblings-T-Shirt finde ich richtig gut, weil es so wunderbar zu meinen braunen Haaren passt. Meine Haare trage ich meistens offen, aber manchmal habe ich auch Lust auf wilde Frisuren und dazu vielleicht noch ein cooles Tattoo.
Die Tattoos bekomme ich von Mama. Mama kann richtig gut zeichnen. Sie tätowiert mir, was immer ich will. Ein Zebra auf den Arm oder einen Koboldmaki auf die Schulter. Natürlich nicht in echt mit Nadel und Tinte, sondern mit einem Stift, der sich auch wieder abwaschen lässt. Das ist praktisch, weil ich mir so immer wieder neue Tattoos von ihr wünschen kann.
Man muss wissen, Mama ist von Beruf Künstlerin. Sie zeichnet Bilder für Schulbücher. Aber noch lieber malt sie ihre eigenen Bilder in ihrem Atelier. Das Atelier ist ein kleiner Raum in unserer Wohnung, der extra für Mama und ihre Farben und Pinsel reserviert ist.
Mein kleiner Bruder Kali und ich dürfen ihr manchmal beim Malen über die Schulter schauen, und ab und zu erlaubt sie uns auch, auf eine ihrer großen Leinwände zu zeichnen. Mama meint, ich hätte einen richtig guten Strich. „Vielleicht wirst du ja später auch eine Kunstschaffende“, hat Mama einmal gesagt.
„Kali kann auch Kunstschaffner!“, hat Kali da verkündet und mit Rosa-Lila-Ocker-Beige ein dreibeiniges Fischpferdhuhn auf seine Leinwand gepinselt.
„Ja“, hat Mama gelacht, „Kali kann Kunstschaffner“, und das Bild in unserem Wohnzimmer an die Wand gehängt.
Kali ist erst fünf. Trotzdem kann er schon so einiges. Zumindest seiner Meinung nach. „Kali kann Kochweltmeister“, behauptet er zum Beispiel und schon sieht die Küche aus wie nach einem Tornado. Und weil Kali auch Kellner kann, serviert er gleich darauf selbstgemachte Kakaosuppe mit Cornflakes-Gatsch und Spiegelei.
Kali kann aber auch Kastenkletterprofi. Und Kuschelbär. Und Kunstfurzer. Und Klopapierkatastrophe.
Und das Neueste: Kali kann verschwindibus! Und das kann er wirklich richtig gut. Unser Opa Udini bringt es ihm bei. Der Opa Udini war nämlich von Beruf früher ein echter Zauberer und kennt tausend verrückte Tricks, wie man Dinge verschwinden und wieder auftauchen lassen kann.
Mittlerweile ist der Opa in Pension und zaubert nur noch selten. Stattdessen gibt er seine Geheimnisse nun an seinen Enkel weiter.
„Verschwindibus!“, ruft Kali und schon ist die Salzbrezel, die er eben noch in der Hand hatte, wie vom Erdboden verschluckt.
Die Oma Magda ist das Publikum und applaudiert. „Wenn du fleißig weiterübst, kannst du bald in einer richtigen Zaubershow auftreten“, sagt sie beeindruckt und fischt mit spitzen Fingern etwas Gatschiges aus ihrem Kaffee. „Uh, was ist das denn?“ Eine aufgeweichte Salzbrezel! Wo die herkommt, das weiß nur der Zaubermeister.
Ich finde es richtig schön, dass die Oma Magda und der Udini Opa mit uns zusammenwohnen.
Die Oma, der Opa, die Mama, Kali und ich. Wir sind eine richtige WG. WG ist die Abkürzung für Wohngemeinschaft. Meine Freunde Mussa, Patrick, Sophie und der Kentucky leben auch in einer Wohngemeinschaft, aber das erzähle ich später noch genauer.
Ja, und Papa ist ebenfalls ein erprobter WG-Bewohner: Früher, als Kali und ich noch nicht geboren waren, haben Mama und er zusammen in einer WG gewohnt, und seit Kurzem ist Papa wieder in einer WG zu Hause, gemeinsam mit den schrägen Vögeln. Schräge Vögel, so nennt die Mama Papas Mitbewohner, den Meinrad und den Schorsch. Papa kennt die beiden von früher, als er noch Theater gespielt hat. Papa wollte nämlich immer Schauspieler werden, aber das hat nicht so richtig geklappt.
Darum hat er es dann als Musiker probiert. Dann als Tänzer. Dann als Puppenspieler. Zwischendurch war er Kellner in einem Café, Fahrradbote, Hundesitter, Fensterputzer, Kartenabreißer und zuletzt auch Außendienstmitarbeiter bei einer der besten Asia-Imbiss-Buden der Stadt. Papas Aufgabe war es, als riesige Nudelbox verkleidet durch die Straßen zu laufen und Flyer für Jong Wu Lin’s Asia Curry Taste Noodles zu verteilen. Vor drei Monaten allerdings ist Herr Jong Wu Lin in Pension gegangen und hat den Laden dichtgemacht. Seitdem sucht Papa wieder Arbeit.
„Probier es doch nochmal mit der Schauspielerei!“, reden ihm die Vögel zu. Der Meinrad und der Schorsch finden nämlich, dass Papa echt Talent hat. „Der beste Mister Minzi aller Zeiten!“, sagen sie. Mister Minzi ist ein Mundwasser, für das Papa einmal einen Fernsehwerbespot gedreht hat – eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Papa sein schauspielerisches Können unter Beweis stellen durfte.
„Stinkst du aus dem Mund nach Fisch, nimm Mister Minzi extrafrisch!“ Oder: „Dein Atem riecht wie Karfiol? Nimm Mister Minzi mit Menthol!“
„Du warst legendär!“, findet der Meinrad.
„Im Ernst, einer wie du gehört nach Hollywood!“, findet auch der Schorsch.
Ich mag die beiden Vögel. Auch wenn sie wirklich, wirklich schräg sind. Oder vielleicht gerade deswegen. Der Meinrad mit seiner Mandoline und seinen Rockband-T-Shirts und der Schorsch mit seinen ätherischen Ölen und Kräutermischungen. Sie sind so anders als die meisten Erwachsenen, die ich sonst kenne. Sie stehen auch nicht in der Früh auf, sondern erst irgendwann untertags. Da kriechen sie dann aus ihren Zimmern und kochen sich Gulaschsuppe und Haferbrei. Zum Spätstück. Weil Frühstück kann man das um diese Uhrzeit ja wohl nicht mehr nennen. Und beim Essen wachen sie dann langsam auf.
Wenn Kali und ich bei Papa zu Besuch sind, kommen wir fast nie vor Mitternacht ins Bett, weil das Leben in Papas WG eigentlich erst am Abend so richtig beginnt. Da wird dann gespielt oder musiziert oder gekocht und bis in die Nacht hinein die Horoskopsendung im Radio angehört. Darum sind wir nur am Wochenende bei Papa, weil wir uns da ausschlafen können und nicht in die Schule oder in den Kindergarten müssen.
Und auch wenn es bei Papa in der WG ein bisschen eng ist, weil Kali, Papa und ich uns dort zu dritt ein kleines Zimmer teilen, so ist es doch auch immer aufregend, weil alles dort so anders ist. Es riecht anders. Alles ist auf eine spannende Art chaotisch. Und jeder hat in seinem Zimmer eine Klopapierrolle in Reserve, falls das Klopapier mal wieder knapp wird und niemand daran gedacht hat, neues zu besorgen. Es gibt auch einen Putzplan, der hängt in der Küche und da steht drauf, wer wann mit Putzen dran ist. Aber so richtig sauber ist es eigentlich trotzdem nie.
Ich glaube, unter anderem deshalb wohnen Mama und Papa nicht zusammen. Weil Mama meint, dass Kinder ein geordnetes Umfeld brauchen. Obwohl, geordnet geht es bei uns zu Hause auch nicht zu. Opa ist nämlich auf seine Art auch ein schräger Vogel, aber zumindest geht er um acht ins Bett. Außerdem hat die Oma ein Auge auf ihn, damit er keinen allzu großen Blödsinn macht.
Und Mama hat sowieso alles unter Kontrolle. Also meistens jedenfalls.
Umso überraschter waren wir deshalb, als Mama am Abend von Kalis fünftem Geburtstag plötzlich verkündete: „Kali, Lisbeth, packt eure Sachen. Ihr wohnt nächste Woche bei Papa!“
Damit hatte wirklich keiner gerechnet. Und wie es dazu kam?
Ja, das war nämlich so …
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